Stille Reserven

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Aufdeckung stiller Reserven

Beim Verkauf einer Anlage wird der Verkaufserlös als Einnahme verbucht. Der Restbuchwert nach dem Abzug der AfA des aktuellen Jahres (bzw. Halbjahres bei Verkauf im ersten Halbjahr) wird als Ausgabe angesetzt. Handelt es sich bei der Differenz um ein positives Ergebnis für den Unternehmer, wird das als Aufdeckung einer stillen Reserve bezeichnet. Dieser Betrag kann entweder sofort versteuert werden, oder aber unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb von einem Jahr steuerfrei auf andere Anlagen übertragen werden. Dadurch werden die Erlöse des Verkaufs auf die Abschreibungsjahre der neuen Anlage verteilt realisiert. Eine Aufzeichnung über die Übertragung der Anlagen muss durchgeführt werden, damit dies nachvollziehbar ist.

Stille Reserven übertragbar auf

  • aus Veräußerung von Anlagevermögen auf körperliche oder unkörperliche Wirtschaftsgüter (WG) in inländischer Betriebsstätte
    • Behaltefrist mindestens 7 Jahre im Anlagevermögen des Betriebs
    • Bildung einer Übertragungsrücklage, soweit keine Übertragung im selben Wirtschaftsjahr
    • Keine Behaltefrist bei Ausscheiden aufgrund höherer Gewalt oder behördlichem Eingriff
    • Übertragung innerhalb von 12 M, bei Gebäuden 24 M, bei Baubeginn innerhalb von 12 Monaten
    • Behaltefrist für Grundstücke und Gebäude 15 Jahre, wenn stille Reserven übertragen wurden oder die Gebäude nach § 8 (2) EStG abgeschrieben wurden


  • körperliche Wirtschaftsgüter (WG)
    • aus Grund & Boden auf Grund & Boden bei § 5 EStG Gewinnermittlung auf andere körperliche WG
    • aus anderen körperlichen WG (Ausnahme: Veräußerung) auf andere körperliche WG, außer Grund & Boden
    • (Teil-)Betrieb Ausnahme: auf (Teil-)Betriebe
  • Unkörperliche Wirtschaftsgüter
    • Aus unkörperlichem WG (Ausnahme aus Beteiligungen an Personengesellschaften) auf unkörperliche WG (Ausnahmen: auf Beteiligungen an Personengesellschaften, Finanzanlagen)


Der Vorteil dabei ist die Verschiebung der zu bezahlenden Steuerbeträge bzw. eventuell kann es sogar zu einer Senkung der zu bezahlenden Steuer an das Finanzamt kommen. Voraussetzung ist, dass das ausgeschiedene Anlagegut mindestens sieben Jahre (bei Grund und Boden, sowie Gebäuden 15 Jahre) im Besitz des Unternehmens war und beide Anlagen der gleichen Art (Grund und Boden, körperliche Wirtschaftsgüter oder unkörperliche Wirtschaftsgüter wie Lizenzen oder Patente) zugerechnet werden können.

Beispiel:

Unternehmer scheidet am 12.9.2007 eine Anlage (Anlage 1) aus.
Restbuchwert: 10.000 EUR
Verkaufsbetrag: 35.000 EUR
Erlös: 25.000 EUR

Dieser Betrag wäre im Jahr 2007 grundsätzlich gewinnerhöhend, kann aber als Übertragungsrücklage geltend gemacht werden und auf andere Investitionen in den Jahren 2007 oder 2008 übertragen werden.

Im Jahr 2008 wird eine Anlage um 80.000 EUR netto gekauft und auf fünf Jahre abgeschrieben. Die Rücklage von 25.000 EUR wird nun auf diese Anlage angewendet. Dadurch wird der Erlös auf die nächsten fünf Jahre aufgeteilt als Auflösung der Bewertungsreserve mit jeweils 5.000 EUR pro Jahr zugerechnet und erhöht somit wieder den Gewinn. Die Abschreibungsbeträge der neuen Anlage bleiben unverändert.

Beschreibung 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Vorläufiger Gewinn 80.000 80.000 80.000 80.000 80.000 80.000
Gewinn Anlage 1 25.000
AfA Anlage 2 -16.000 -16.000 -16.000 -16.000 -16.000
Gewinn danach 105.000 64.000 64.000 64.000 64.000 64.000
Durchschnittsteuer % 45 40 40 40 40 40
Steuerzahlung 47.500 25.600 25.600 25.600 25.600 25.600

Tabelle: Bespiel zur Ausscheidung von Anlagen ohne Übertragungsrücklage


Wie im Bespiel zur Ausscheidung von Anlagen ohne Übertragungsrücklage ersichtlich, muss über die sechs Jahre also 149.900 EUR Steuern bezahlt werden.


Beschreibung 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Vorläufiger Gewinn 80.000 80.000 80.000 80.000 80.000 80.000
Übertragungsrücklage aus Anlage 1 -25.000
Auflösung Bewertungsreserve aus Anlage 1 +5.000 +5.000 +5.000 +5.000 +5.000
AfA Anlage 2 -16.000 -16.000 -16.000 -16.000 -16.000
Gewinn danach 55.000 69.000 69.000 69.000 69.000 69.000
Durchschnittsteuer % 40 40 40 40 40 40
Steuerzahlung 22.000 27.600 27.600 27.600 27.600 27.600

Tabelle: Bespiel zur Ausscheidung von Anlagen mit Übertragungsrücklage


Wie im Bespiel zur Ausscheidung von Anlagen mit Übertragungsrücklage ersichtlich, muss über die sechs Jahre also 132.000 EUR Steuern bezahlt werden.

Es ergibt sich ein steuerlicher Vorteil von 17.900 EUR, der mit der Übertragung der stillen Reserve zu erzielen wäre. Die Zinsen aus der verzögerten Bezahlung der Steuer sind hier noch nicht mit eingerechnet und würden noch weitere Vorteile erzielen.

Siehe auch

Anlagenverzeichnis