Ausfuhr

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Ausfuhr


Innergemeinschaftliche Lieferung bzw. Erwerb

Innergemeinschaftliche Lieferungen sind Warenlieferungen an Unternehmer in ein EU-Ausland, bei denen sowohl die UID Nummer als auch der Name und die Adresse des Kunden bekannt sind und auf der Rechnung vermerkt wird.

Sind diese Informationen vorhanden kann die Rechnung, und somit die Einnahme, ohne Umsatzsteuer gestellt werden.

Der Kunde hat die Pflicht in seinem Land die Ausgabe als innergemeinschaftlichen Erwerb anzugeben, und somit in seinem Land die die Umsatzsteuer abführen. Ist er Vorsteuerabzugsberechtigt kann er sich die Umsatzsteuer sofort wieder abziehen.

Spezialfall Reverse Charge

Werden innergemeinschaftliche Leistungen, wie z.B.: Dienstleistungen, erbracht und sind einige Voraussetzungen erfüllt, so kann der leistende Unternehmer analog zu ig Lieferungen umsatzsteuerfreie Rechnungen stellen. Dies wird Übergang der Steuerschuld oder Reverse Charge genannt. Die Umsatzsteuerschuld entsteht beim Leistungsempfänger, der seinerseits die Umsatzsteuer als Unternehmer angeben und sich sogleich wieder als Vorsteuer abziehen kann. Auf der Rechnung müssen diese Rechnungspositionen bzw. die ganze Rechnung mit "Reverse Charge" gekennzeichnet sein.

Die Voraussetzungen für Reverse Charge Verrechnungen sind:

  • Der Leistungsempfänger ist Unternehmer.
  • Umsatzsteueridentifikationsnummer der Handelspartners muss vorhanden sein und auf der Rechnung vermerkt werden.
  • Der leistende Unternehmer hat im Inland keine Betriebsstätte oder keinen Wohnsitz und auch keinen gewöhnlichen Aufenthalt.

Beispiel:

Ein Unternehmer A aus Deutschland vollbringt EDV-Dienstleistungen für den Unternehmer B in Österreich. Die obgenannten Voraussetzungen für Reverse Charge sind erfüllt.
Der Unternehmer A erstellt seine Rechnung ohne Umsatzsteuer, jedoch mit dem Vermerk Reverse Charge. Diese Leistung wird in der Zusammenfassende Meldung ab 2010 aufgenommen.
Der Unternehmer B muss die UST berechnen und in seiner Umsatzsteuervoranmeldung bekannt geben. Er darf sich diesen Betrag, sofern er zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, als Vorsteuer gleich wieder abziehen.

Spezialfall Dreiecksgeschäft

Bei einem Dreiecksgeschäft handelt es sich um eine ganz spezielle Art der Lieferung von Waren unter folgenden Umständen:

  1. Verkäufer befindet sich im EU-Ausland
  2. Käufer befindt sich im EU-Ausland
  3. Sie sind der Vermittler - die Ware wird jedoch NIE zu Ihnen geliefert sondern direkt vom Verkäufer zum Käufer.

Somit ergibt sich ein "Dreieck":

  1. Sie bezahlen den Verkäufer (=Ausgabe, Spezialfall: Dreiecksgeschäft)
  2. Der Käufer bezahlt Sie (=Einnahme innergemeinschaftliche Lieferung, Zusammenfassende Meldung muss geändert werden auf Dreiecksgeschäft)
  3. Die Ware wird direkt vom Verkäufer zum Käufer geliefert.

Zusammenfassende Meldung

Die Zusammenfassende Meldung (ZM) ist erforderlich, um Warentransaktionen oder Dienstleistungen innerhalb der EU aufzuzeigen und Missbrauch, sogenannten Karussellbetrug, zu vermeiden bzw. aufzudecken. Meldungspflichtig ist jener Unternehmer, der die steuerfreie Lieferung oder Reverse Charge Leistungen ins Ausland durchführt. Grundsätzlich sind hier, solange die notwendigen Informationen in bestehenden Aufzeichnungen vermerkt werden, keine eigenen Aufzeichnungen zu führen. Zu vermerken und abzugeben sind vom leistenden Unternehmer pro Quartal folgende Daten:

  • UID Nummer des Empfängers
  • Summe der Nettobeträge der Lieferung oder Reverse Charge Leistung
  • Handelt es sich um Dreiecksgeschäfte ist dies extra anzugeben
  • Handelt es sich um Reverse Charge Leistungen ist dies ebenso extra anzugeben

Voraussetzung ist, dass beide Geschäftspartner Unternehmer sind, die zum Vorsteuerabzug berechtigt sind.

Ausfuhr in Drittstaaten

Bei der Ausfuhr von Waren oder Durchführung von Dienstleistungen in Drittstaaten müssen Unternehmer den gültigen österreichischen Umsatzsteuersatz verrechnen, sofern sie umsatzsteuerpflichtig sind. Ist der Leistungsempfänger ein Unternehmen ist eine Reverse Charge Leistung in Drittstaaten möglich. Als Nachweis der Unternehmereigenschaft des ausländischen Kunden sind „Certificates of Registration“ - ähnlich unserem U70 beizubringen.

Diese Leistungen sind nicht in die ZM aufzunehmen.

Auszug der WKO-Seite

"Auch in diesem Fall ist die Erbringung der Dienstleistung an ausländische Unternehmer in Österreich nicht steuerbar, wenn sich aufgrund der B2B Regelungen der Ort der Dienstleistung nicht in Österreich befindet. Als Nachweis der Unternehmereigenschaft des ausländischen Kunden sind „Certificates of Registration“ - ähnlich unserem U70 beizubringen. Ob die Dienstleistung im Drittstaat auch dem sogenannten Reverse Charge Verfahren unterliegt, muss im jeweiligen Land geprüft werden. Dazu stehen Ihnen die Außenwirtschafts Center der Wirtschaftskammerorganisation hilfreich zur Seite."

EU Umsatzsteuer

Mitgliedsstaaten der EU fordern die Einführung des generellen Reverse Charge Systems auch innerhalb der jeweiligen Mitgliedsstaaten, um Umsatzsteuerbetrug wirksam zu bekämpfen. Die Einführung dieses Gesetzes würde, wie beim obgenannten Reverse Charge Systems zwischen den Mitgliedstaaten im Business to Business Bereich zur Anwendung kommen. Dadurch würde sich die Steuerschuld vom Verkäufer bzw. Lieferanten auf den Käufer bzw. Kunden übertragen. Dafür müssten sowohl Fakturen, als auch die Buchhaltung und die Meldungen an das Finanzamt entsprechend angepasst werden können.

Aktuell ist die EU-Umsatzsteuer jedoch (noch) kein Thema und findet keine Anwendung in Österreich.