Gewinnermittlungsarten

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Gewinnermittlungsarten

Ein Unternehmer ist in jedem Fall verpflichtet, Aufzeichnungen über seine betrieblichen Einnahmen und Ausgaben zu führen. Diese können, abhängig von der gewählten Gewinnermittlungsart, im Detail in der gesetzlichen Mindestanforderung unterschiedlich aussehen. Grundsätzlich werden vier verschiedene Gewinnermittlungsarten unterschieden:

  • Buchführungspflicht: Bilanzierung / doppelte Buchhaltung (§5 EStG)
  • Buchführungspflicht: Betriebsvermögensvergleich (§4.1 EStG)
  • Einnahmen – Ausgaben Rechnung (§4.3 EStG)
  • Pauschalierung (§17 EStG)

Auf die buchführungspflichtigen Gewinnermittlungsarten Bilanz und Betriebsvermögensvergleich wird nicht näher eingegangen.

Einnahmen – Ausgaben Rechnung

Voraussetzungen

Die EAR ist im Einkommensteuergesetz §4 Absatz 3 definiert. Die letzten Änderungen in diesem Bereich sind seit 1.1.2007 in Kraft. Als einfachste Möglichkeit der Gewinnermittlung funktioniert die EAR nach dem Prinzip der Geldflussrechnung: Alle Betriebsausgaben werden von den tatsächlichen, betrieblichen Einnahmen abgezogen. Wichtig hierbei ist immer das Datum des Geldflusses. Die Differenz stellt das Betriebsergebnis dar, das sowohl negativ als auch positiv sein kann. Die EAR ist immer dann wählbar, wenn keine Buchführungspflicht besteht, dh: wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  • Gewerbebetrieb mit einer Umsatzgrenze von maximal 700.000 EUR pro Jahr. Seit 1.1.2007 gilt diese Grenze auch für Lebensmitteleinzel- oder Gemischtwarenhändler.
  • Land- und Forstwirtschaft mit einer Grenze des Einheitswertes von maximal 150.000 EUR oder einem Umsatz von maximal 700.000 EUR pro Jahr.
  • Selbständige Tätigkeit ohne Umsatzgrenze

Hierbei ist unter Umständen mit einem Steuerberater die Kategorisierung der jeweiligen unternehmerischen Tätigkeit, wie schon unter Punkt 6.1.1.1 Änderungen im Unternehmensgesetzbuch erläutert, zu prüfen. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Umsatz in die Nähe oder gar über die Umsatzgrenze von 700.000 EUR steigt und das Finanzamt die Tätigkeit wirklich als freiberufliche selbständige Tätigkeit ansieht.

Jährliche Änderungen
  • bis inkl. 2009 gilt die Umsatzgrenze von 400.000 EUR pro Jahr
  • ab 2010 gilt die Umsatzgrenze von 700.000 EUR pro Jahr

Überschreitung der Umsatzgrenze / Schwellenwert

Überschreitet der Unternehmer die Umsatzgrenzen zwei Jahre hintereinander, so darf im zweiten Folgejahr, also nach einem Pufferjahr, keine EAR mehr durchgeführt werden. Es tritt also die Buchführungspflicht in Kraft.

Wird der Schwellenwert von 1.000.000 EUR in einem Jahr überschritten, so muss sofort nach dem überschrittenen Jahr die doppelte Buchhaltung durchgeführt werden. Wird in zwei weiteren aufeinander folgenden Jahren die Umsatzgrenze unterschritten, so darf der Unternehmer im folgenden Geschäftsjahr wieder zur EAR wechseln.

Beispiel 1:

Unternehmer X ist Einnahmen – Ausgaben Rechner
Umatz im Jahre 2009: zwischen 700.000 EUR und 1.000.000 EUR
Umatz im Jahre 2010: zwischen 700.000 EUR und 1.000.000 EUR

Folgejahr 2011: Einnahmen – Ausgaben Rechner (Pufferjahr)

Folgejahr 2012: Umstellung auf Buchführungspflicht (eingeschränkter Betriebsvermögensvergleich oder doppelte Buchhaltung)

Hat der Unternehmer X im Jahre 2011 und 2012 einen Umsatz < 700.000 EUR so besteht die Möglichkeit, dass der Unternehmer im Jahre 2012 wieder Einnahmen – Ausgaben Rechner wird. In dem Fall könnte 2011 auch ein begründeter Antrag auf Aufhebung der Buchführungspflicht gestellt werden. Wird dem stattgegeben so ist auch für das Jahr 2011 eine EAR möglich.

Beispiel 2:

Unternehmer X ist Einnahmen – Ausgaben Rechner
Umatz im Jahre 2010: > 1.000.000 EUR

Folgejahr 2011: sofort Umstellung auf Buchführungspflicht (eingeschränkter Betriebsvermögensvergleich oder doppelte Buchhaltung)

Jährliche Änderungen
  • bis inkl. 2009 gilt der Schwellenwert von 600.000 EUR pro Jahr
  • ab 2010 gilt der Schwellenwert von 1.000.000 EUR pro Jahr

Aufzeichnungspflicht

Bei der Aufzeichnungspflicht nach §4.3 spielt das Zufluss – Abfluss Prinzip (oder auch Ist-Besteuerung) eine zentrale Rolle. Es besagt, dass die Einnahmen und Ausgaben in der Regel immer zum Zahlungszeitpunkt steuerlich aktiv werden. Dadurch besteht mit der EAR die Möglichkeit, das Ergebnis durch Verschiebung des Zahlungszeitpunktes - bei Ausgaben durch Vorauszahlungen und bei Einnahmen durch Hinausschieben durch spätere Rechnungslegung - zu beeinflussen. Kommt es bei Zahlungen zu Teilzahlungen, so ist jede Teilzahlung entsprechend dem Zufluss – Abfluss Prinzip immer mit dem jeweiligen Datum des Teilzahlungsbetrages zu berücksichtigen.

Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen vom Zufluss – Abfluss Prinzip:

  • Anlagevermögen:
Die wichtigste Ausnahme bildet das Anlagevermögen, das nur über die Abschreibung (Absetzung für Abnutzung, kurz AfA) als Ausgaben über mehrere Jahre verteilt abgesetzt werden kann.
  • Vorauszahlungen:
Wenn Vorauszahlungen für Leistungen einen längeren Zeitraum als das aktuelle und nächstfolgende Jahr übersteigen, dann dürfen diese Zahlungen nicht sofort als Ausgaben, sondern müssen über den Vorauszahlungszeitraum gleichmäßig verteilt abgesetzt werden.
  • Fiktive Betriebsausgaben:
Ausgaben, die keinen definitiven Beleg zugrunde liegen haben, wie z.B.: Kilometergeld oder Diäten, werden gesondert behandelt.
  • Privatentnahmen:
Privatentnahmen in Form von Bargeld spielen für die Gewinnermittlung keine Rolle. Die Entnahme von Waren oder Erzeugnissen wird als Betriebseinnahme mit dem Herstellungs- bzw. Anschaffungswert als Einnahmen verbucht.

Ausgaben können unter Berücksichtigung der maximalen Verschiebungsfristen nach dem Soll – Prinzip aufgezeichnet werden. Dies impliziert jedoch, dass die Verschiebung der Aufwendungen maximal ein Monat beträgt, unabhängig davon, wann die Bezahlung tatsächlich durchgeführt wurde. Aus Komplexitätsgründen wird diese Möglichkeit bei der EAR nur äußerst selten angewandt.

Die Aufzeichnungen der Einnahmen bzw. Ausgaben müssen, mit den oben genannten Ausnahmen, immer durch einen Beleg besichert werden können, der ebenso abgelegt werden muss. Diesen Grundsatz gilt es einzuhalten, da im Zuge einer Finanzprüfung die Argumentation einer Ausgabe ohne Beleg nahezu aussichtslos ist.

Im Zuge der EAR sind folgende Aufzeichnungen durchzuführen

  • Bar Einnahmen bzw. Ausgaben:
Alle Ausgaben und Einnahmen, die bar durchgeführt werden, müssen verzeichnet werden. Dabei werden auch die Umsatzsteuer und Vorsteuer aufgezeichnet. Dies geschieht in der Regel im so genannten Kassabuch.
  • Banktransaktionen:
Analog zu den Bargeldbewegungen müssen auch alle Ausgaben und Einnahmen und den damit verbundenen Umsatzsteuer bzw. Vorsteuer, die mittels Banküberweisung durchgeführt werden, verzeichnet werden. Dafür wird das Bankbuch geführt.
  • Anlagenbuch:
Wie bereits vorab erwähnt kann die Abnutzung von Anlagen, die über mehrere Jahre in einem Betrieb verwendet werden und eine Mindest-Aufwandsgrenze überschreiten, gleichmäßig verteilt über die veranschlagten Jahre als Aufwand geltend gemacht werden. Dies wird in der Finanzbuchhaltung Abschreibung genannt. Zum Zwecke der Aufzeichnung muss hierfür ein Anlagenverzeichnis geführt werden, in dem alle relevanten Fakten wie Preis, Anschaffungsdatum und Abschreibungsintervall angegeben werden. Das Abschreibungsintervall ergibt sich aus der Sache der Anlage und ist vom Gesetzgeber festgelegt.
  • Wareneingangsbuch:
Ein Wareneingangsbuch müssen alle Gewerbetreibenden führen, die Waren oder Materialien einkaufen, um diese gewerblich weiter zu veräußern.
  • Zusammenfassende Meldung:
Alle Unternehmer, die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen durchführen, müssen pro Quartal eine Meldung an das Finanzamt abgeben. Diese Mittelung wird zusammenfassende Meldung (ZM) genannt. Grundsätzlich ist hier keine gesonderte Aufzeichnung notwendig. Jedoch müssen die notwendigen Daten, wie UID-Nummer und Summe der Lieferungen, ersichtlich sein.


Weiters müssen Erwerbe aus Drittländern in der Umsatzsteuervoranmeldung gesondert angegeben werden. Die so genannte Erwerbsteuer ist hier zu deklarieren.

Pauschalierung

Details zur Pauschalierung

Schätzung

  • Aufzeichnungen über Gewinnermittlung nicht vorhanden oder formell/sachlich unrichtig
  • Behörde kann Bemessungsgrundlage schätzen (Voll- oder Teilschätzung)

Schätzungsmethoden

  • Äußerer Betriebsvermögensvergleich (andere Betriebe)
  • Innerer Betriebsvermögensvergleich (Vorjahre)
  • Schätzung nach Lebensaufwand
  • Kalkulatorische Schätzung

Siehe auch

Pauschalierung