Einkunftsarten

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Einkunftsarten

Der erste Hauptbestandteil der EAR, die Einnahmen, wird vom Einkommensteuergesetz (EStG 1988) in zwei Kategorien unterteilt:

  • Betriebliche Einkunftsarten
  • Außerbetriebliche Einkunftsarten (Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung oder sonstige Einkünfte)

Außerbetriebliche Einkünfte sind demnach Gelder, die außerhalb der unternehmerischen Tätigkeit entstehen und so nicht Teil der Buchführung sind, sehr wohl aber in der Einkommenssteuererklärung berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus werden die gesamten jährlichen Einkünfte - betriebliche und außerbetriebliche - als Grundlage für die Berechnung der Sozialversicherungsbeitragshöhe herangezogen.


Betriebliche Einkunftsarten

Die betrieblichen Einkunftsarten werden in die Einnahmen – Ausgaben Gewinnerermittlung miteinbezogen. Die Berechnung erfolgt nach folgendem Schema:

Betriebseinnahmen
- Betriebsausgaben
Gewinn / Verlust

Zu den betrieblichen Einkünften zählen die folgenden drei Einnahmen.

Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft

Hierzu zählen Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Wein-, Gemüse-, Garten- und Obstbau sowie Tier-, Fisch- und Bienenzucht, Fischerei und Jagd. Zu beachten gilt es hierbei, dass bei einem Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten im eigenen Geschäftslokal der Anteil der Fremdprodukte am Gesamtumsatz die 25% Grenze nicht überschreiten darf, da die Zurechnung ansonsten zu Einkünften aus einem Gewerbebetrieb gerechnet wird. Nebentätigkeiten wie Zimmervermietung (max. 10 Betten) oder sonstige Dienstleistungen dürfen dazugerechnet werden, solange diese eine untergeordnete Rolle im Betrieb spielen.

Einkünfte aus selbständiger Arbeit

Diese Einkünfte werden wiederum in zwei Gruppen unterteilt:

  • Freiberufler (freie Berufe)

Hierzu zählen die Berufsgruppen der wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden und lehrenden Tätigkeiten, Ärzte, Tierärzte, Hebammen und Dentisten, sowie Rechtsanwälte, Notare und Wirtschaftstreuhänder. Weiters werden zu den Freiberuflern noch Unternehmens- und Vermögensberater, sowie Dolmetscher und Übersetzer und Journalisten gezählt. Als Kernpunkt hierbei ist die persönliche Berufsausübung zu sehen. Das bedeutet, dass der Freiberufler die Tätigkeiten selber und eigenverantwortlich ausübt – eventuell leitend unter Zuhilfenahme von fachlich vorgebildeten Arbeitskräften. Die Definition des "künstlerischen Berufes" muss im Sonderfall geprüft werden. Die damit verbundene Einstufung hat im Falle eines künstlerischen Berufes den Vorteil, dass eine Zusammenballung von Einkünften in einem Jahr durch einen Antrag auf das aktuelle und die zwei vorangegangenen Jahre aufgeteilt werden kann. Dies hat dann steuerliche Vorteile, wenn die Einkünfte der vorgehenden Jahre unter 50.000 EUR lagen und das aktuelle Jahr über 50.000 EUR beträgt. Dadurch wird eine Progressionsglättung erzielt.

  • Sonstige Selbständige

Zu diesen Einkünften zählen Berufsgruppen wie die Verwaltung fremden Vermögens (z.B.: Aufsichtsräte, Haus- bzw. Masseverwalter) sowie Gesellschafter-Geschäftsführer oder ähnliche.

Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Dazu zählen gemäß §23 EStG alle jene Einkünfte, die nicht zu Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft bzw. Einkünften aus selbständiger Arbeit zu zählen sind und die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Selbständige und nachhaltige Tätigkeit
  • Auf Gewinnerzielung ausgerichtete Tätigkeit
  • Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr


Für die Ausübung dieser Tätigkeiten ist ein Gewerbeschein nicht Voraussetzung. Beispielsweise zählen auch (gelegentliche) werkvertragliche Tätigkeiten oder Gewinnanteile der Gesellschafter von gewerblich tätigen Personengesellschaften zu dieser Art der Einkünfte. Die EAR darf nur dann angewendet werden, wenn die Umsatzgrenze von 400.000 EUR in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht überschritten wird. Der größte Vorteil von Einkünften aus Gewerbebetrieb gegenüber den Einkünften aus selbständiger Arbeit besteht dann, wenn eine Bilanz nach §11a EStG erstellt wird: Dann kann die begünstigte Besteuerung für nicht entnommene Gewinne in Anspruch genommen werden.

Änderungen im Unternehmensgesetzbuch

Die Unterscheidung bzw. Kategorisierung des eigenen Unternehmens ist je nachdem ob die Definition nach Einkommensteuergesetz (EStG) oder nach dem seit 1.1.2007 gültigen Unternehmensgesetzbuch (UGB), das das Handelsgesetzbuch ablöst, erfolgt, nicht immer eindeutig.

Die zentrale Frage die beantwortet werden muss, ist, ob es sich bei der unternehmerischen Tätigkeit um einen freien Beruf handelt, oder nicht. Wichtig ist diese Definition und Zuordnung dann, wenn die Umsatzgrenze von 400.00 EUR überschritten wird, denn freie Berufe haben keine Umsatzgrenze als Limit für die Führung der Aufzeichnungen mittels EAR. Das EStG definiert die Einstufung der Berufsgruppen klar durch eine taxative Aufzählung, im UStG kann die Einteilung nach der Verkehrsauffassung zu Widersprüchen führen. Werden die beiden Auffassungen verglichen, so kann es bei manchen Berufsbildern, wie z.B.: Hausverwalter oder Unternehmensberatern, zur unklaren Zuordnung kommen. Hierbei ist es anzuraten, einen Steuerberater zu konsultieren. Im ungünstigsten Fall kann es zu einem erzwungenen Wechsel von der EAR zur doppelten Buchhaltung kommen, sofern das Unternehmen nicht zu den freien Berufen gezählt wird. Weiters können seit 1.1.2007 auch Kapitalgesellschaften und unternehmerisch tätige Personengesellschaften (offene Erwerbsgesellschaft (OG) bzw. Kommandit-Erwerbsgesellschaft (KEG)) mit mindestens einem voll haftenden Gesellschafter, dh: Fir-men mit Eintragungen im Firmenbuch und weniger als 400.000 EUR Umsatz pro Jahr, die EAR anstelle der doppelten Buchhaltung durchführen. Wird die Tätigkeit im UGB als freier Beruf definiert, so gilt hier keine Umsatzgrenze.


Außerbetriebliche Einkunftsarten

Die außerbetrieblichen Einkunftsarten stammen nicht aus der selbständigen bzw. unternehmerischen Tätigkeit. Sie gliedern sich in die folgenden Bereiche:

  • Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit

Hierbei handelt es sich laut §25 EStG um Bezüge aus Dienstverhältnissen. Weiters sind hier Bezüge aus Kranken- oder Unfallvorsorge, Pensionskassen und Mitarbeitervorsorgekassen, sowie Pensionen und Ruhebezüge zu berücksichtigen.

  • Einkünfte aus Kapitalvermögen

Dieser Bereich umfasst laut §27 EStG Gewinnanteile (Dividenden), Zinsen aus Aktien, GmbH-Anteilen, Bezüge aus Genossenschaften, etc. Ausgenommen sind hierbei Ausschüttungen von begünstigten Genussscheinen und Ausschüttungen aus jungen Aktien.

  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Hierbei handelt es sich laut §28 EStG um Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung von unbeweglichem Vermögen (z.B.: Wohnungen oder Gebäuden), beweglichem Betriebsvermögen und Überlassung von Rechten, sofern es sich nicht um eine gewerbliche Vermietung handelt. Alle Aufwendungen, sowohl laufend anfallende Ausgaben als auch unregelmäßig anfallende Instandhaltungsarbeiten, können auf zehn Jahre verteilt abgesetzt werden. Bei Herstellungskosten beträgt dieser Zeitraum 15 Jahre.

  • Sonstige Einkünfte laut §29 EStG

Alle Einkünfte, die nicht zu den bereits erwähnten Einnahmen zählen, werden in diese Kategorie einbezogen. Hierzu zählen neben Rentenvereinbarungen (Übertragung von Gütern gegen Rente, wenn die Rente den Wert der Waren übersteigt), sowie gelegentliche Vermittlung und Vermietung von beweglichen, privaten Gegenständen bis zu 220 EUR pro Jahr, sowie Funktionsgebühren von Funktionären öffentlich-rechtlicher Körperschaften und Aufsichtsratstantiemen.

Die Berücksichtigung der außerbetrieblichen Einnahmen findet in den Werbungskosten statt und wird demnach in der EAR nicht berücksichtigt. Die Berechnung im Rahmen der Einkommensteuererklärung am Ende des Jahres geschieht folgendermaßen:

Einnahmen
- Werbungskosten
Überschuss / Verlust

Der Überschuss oder Verlust ist die Basis der steuerlichen Berechnung.

Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 27 EStG)

  • Gewinnanteile, Zinsen uns sonstige Bezüge aus Aktien und GmbH-Anteilen
    • Gleichartige Bezüge und Rückvergütungen aus Anteilen an Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften
    • Gleichartige Bezüge aus Genußrechten und Partizipationskapital iSd KWG, VAG
  • Gewinnanteile als stiller Gesellschafter (auch Abschichtungsüberschuss)
    • soweit Gewinnanteil nicht zur Auffüllung einer verlustgeminderten Einlage verwendet wird
    • Verlustanteil wird nicht laufend berücksichtigt
  • Zinsen aus Hypotheken
  • Zinsen und andere Erträgnisse aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art (Darlehen, Anleihen, Einlagen, Bankguthaben, Ergänzungskapital iSd KWG, VAG)
  • Diskontbeträge von Wechseln und Anweisungen
  • Unterschiedsbeträge zwischen der eingezahlten Versicherungsprämie und Versicherungsleistung Lebensversicherung: steuerfrei: bei Einmalzahlung Laufzeit über 10 Jahre oder laufende Prämienzahlung
  • Privatstiftungszuwendungen
  • Weiters:
    • Besondere Entgelte oder Vorteile die anstelle der obigen gewährt werden (Sachleistungen, Boni, nominelle Mehrbeträge aus Wertsicherung)
    • Unterschiedsbeträge zwischen Ausgabewert/Einlösungs-wert eines Wertpapiers wenn über 2% (Sonderregelung für Indexpapiere die vor dem 1.3.2004 begeben wurden (§ 124b Z 85 EStG)
    • Veräußerung von Dividendenscheinen, Zinsscheinen


Veräußerungs- und Sanierungsgewinne

Eine spezielle Form des Gewinnes stellen die Veräußerungsgewinne bzw. die Sanierungsgewinne dar. Veräußerungsgewinne sind jene Einkünfte, die durch Verkauf des Unternehmens entstehen. Diese können mittels Antrag auf drei Jahre verteilt geltend gemacht werden. Sanierungsgewinne entstehen durch Schulderlass nach Sanierungen oder Renovierungen von Sachanlagen der Firma.

Liebhaberei

Ein wichtiger Punkt der außerordentlichen Einnahmen ist die so genannte Liebhaberei. Dieser Punkt regelt gemäß Liebhabereiverordnung (LVO II), dass außerordentliche Einnahmen nicht auf Dauer verlustbringend sein dürfen und die steuerlich begünstigte Wirkung über die Werbungskosten ausgenutzt wird. Dies kann sein, wenn der Unternehmer aus privaten Motiven Verluste in Kauf nimmt. Ist dies der Fall, so wird die Tätigkeit nicht als Einkunftsquelle anerkannt, was den Wegfall der Verluste in den Werbungskosten nach sich zieht. Dies kann widerlegt werden, wenn über einen absehbaren Zeitraum ein Totalgewinn bzw. Gewinnüberschuss der Einnahmen über die Werbungskosten erzielt wird.

Siehe auch