Anlagenverzeichnis

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Anlagenverzeichnis

Die Abschreibung für Abnutzung, oder kurz AfA genannt, wurde im Zuge der Ausnahmen des Zufluss – Abfluss Prinzips bereits erwähnt. Sie ist definiert im EStG §7 Absatz 1.

Grundsätzlich betrifft die AfA nur Anlagen und Wirtschaftsgüter, die den Anschaffungsbetrag von 400 EUR Netto übersteigen. Der Abschreibungsbetrag ist im jeweiligen Jahr als AfA - und somit als Ausgabe - zu verwenden.

Der Hintergrund für diese Ausnahme ist anhand eines Beispiels einfach erklärt:

Beispiel: Ein Unternehmer kauft ein Firmenauto am 3.4.2007. Kosten: 22.000 EUR + 4.400 EUR UST. Das Fahrzeug ist Vorsteuerabzugsfähig. Würde das Auto im April komplett als Ausgabe verwendet werden, so wäre es in diesem Monat bzw. Jahr ein sehr hoher Kostenfaktor, der die Einkommensteuer senkt. Des Weiteren besteht ein Problem bei der Nutzung: das Fahrzeug wird mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als im Jahr 2007 verwendet werden. Um eine Glättung der Ausgaben über die Nutzungsdauer zu erreichen, wird die Abschreibung in diesem Fall auf acht Jahre angesetzt. D.h. die Ausgaben sind für acht Jahre pro Jahr mit 4.400 EUR als AfA anzusetzen. Die Vorsteuer wird im April 2007 sofort abgesetzt.

Wie aus dem Beispiel bereits ersichtlich, hat das Anlagenverzeichnis die Aufgabe, alle Anlagen, die im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit angeschafft werden, aufzuzeichnen und eine, auf die voraussichtliche Nutzungsdauer aufgerechnete, Aufteilung der Kosten durchzuführen. Folgende Daten über die Anlagen müssen aufgezeichnet und jährlich berechnet werden:

  • Laufende Nummer:

Hierbei handelt es sich wieder um einen eigenen Nummernkreis, der alle Anlagen eindeutig identifiziert und auf allen Belegen der Anlage vermerkt wird.

  • Bezeichnung:

Die genaue Bezeichnung der Anlagegüter ist notwendig um diese auch unterscheiden zu können.

  • Tag der Anschaffung bzw. der Inbetriebnahme:

Fällt der Tag der Inbetriebnahme nicht mit dem Tag der Anschaffung zusammen, so beginnt die Abschreibung für Abnutzung erst mit dem Tag der Inbetriebnahme. In der Regel und vor allem für Unternehmer der EAR wird der Tag der Anschaffung meist mit dem Tag der Inbetriebnahme identisch sein.

  • Lieferant:

Name und Adresse des Lieferanten müssen vermerkt werden.

  • Voraussichtliche Nutzungsdauer:

Die Nutzungsdauer für Anlagegüter ist in Kategorien eingeteilt und wird vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine kürzere Nutzungsdauer vereinbart werden.

  • Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten:

Die Anschaffungskosten sind jene Kosten, die die Anlage beim Kauf gekostet hat. Diese inkludieren auch Transport, Zoll oder Montage. Bei Anlagen, die selbst erstellt werden und im eigenen Betrieb verwendet werden, zählen die Herstellungskosten als Basis für die Abschreibung. Die Beträge sind grundsätzlich immer netto zu erfassen. Die Vorsteuer wird im Jahr der Anschaffung komplett mit der Umsatzsteuer gegen gerechnet. Ausnahme bilden die nicht vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmer. Diese erfassen den Bruttobetrag.

  • Abschreibungsbetrag bei linearer Abschreibung:

Der jährliche Abschreibungsbetrag ist ebenso festzuhalten und in jedem Jahr grundsätzlich gleich hoch ist. Berechnet wird dieser wie folgt:

Anschaffungskosten / Abschreibungsdauer in Jahren = Abschreibungsbetrag

Hierbei ist zu beachten, dass sich der jährliche Abschreibungsbetrag im ersten Jahr auf die Hälfte reduziert, wenn die Anlage erst im zweiten Halbjahr angeschafft bzw. in Betrieb genommen wird.

  • Restbuchwert: Der Restbuchwert ist der Wert der Anlage am Ende des aktuellen Jahres. Dieser berechnet sich wie folgt:
Anschaffungskosten
- Abschreibungsbeträge (alle bisherigen inkl. des aktuellen Jahres)
Restbuchwert

Am Ende der Abschreibungsperiode muss festgestellt werden, ob die Anlage noch weiter im Betrieb verbleibt, oder ob mit dem Ende der Abschreibung auch das Ende der Verwendung der Anlage eingetreten ist. Wird die Anlage weiterverwendet, wird der letzte Abschreibungsbetrag bis auf einen Cent, den so genannten Erinnerungscent, abgeschrieben. Dieser Erinnerungscent ist der formelle Restbuchwert der Anlage. Dieser bleibt bis zum tatsächlichen Ausscheiden aus dem Betrieb bestehen.

Zur näheren Erläuterung der Abschreibung für Abnutzung hier ein kurzes

Beispiel: Unternehmer kauft PC inkl. Monitor am 17.8.2005 um 1.600 EUR netto. Die Abschreibungsdauer ist mit 4 Jahren definiert.

Beschreibung 2005 2006 2007 2008 2009
Abschreibungsbetrag 200 400 400 400 200
Restbuchwert 1.400 1.000 600 200 0 / 0,01

Tabelle: Bespiel für eine normale Abschreibung für Abnutzung

Wie aus Tabelle: Bespiel für eine normale Abschreibung für Abnutzung ersichtlich, wird durch den Anschaffungszeitpunk im zweiten Halbjahr des Jahres 2005 der Abschreibungsbetrag in diesem Jahr nur zur Hälfte berücksichtigt. Im Jahr 2009 kommt es nun darauf an, ob die Anlage noch weiter im Unternehmen verwendet wird oder nicht.

Änderungen und Ausscheiden von Anlagen

Nachträgliche Änderungen von Abschreibungsdaten sind immer zu begründen. Valide Gründe dafür sind:

  • Änderung der Anschaffungskosten
  • Änderung der Abschreibungsdauer aufgrund einer initial falschen Eingabe
  • Änderung der Nutzungsdauer aufgrund von außergewöhnlicher technischer oder wirtschaftlicher Abnutzung

Unter diesem Grund verbirgt sich die vorzeitige Ausscheidung aufgrund technischen Gebrechens (außergewöhnliche technische Abnutzung). Die außergewöhnliche wirtschaftliche Abnutzung kann durch Neuerfindungen oder Konkurrenzprodukte begründet werden, wodurch der Wert der Anlage nicht oder nicht mehr in vollem Umfang dem Investitionsbetrag entspricht. Ein reiner Preisverlust gilt nicht als wirtschaftliche Abnutzung.

  • Änderung der Nutzungsdauer aufgrund der Nutzungsvoraussetzungen

Nach den Änderungen muss die Berechnung der AfA-Teilbeträge für das aktuelle Jahr, sowie die kommenden Jahre neu durchgeführt werden. Bestehende Jahre bleiben unverändert.

Beim Ausscheiden von Anlagen wird der Restbuchwert der Anlage als AfA geltend gemacht. Dies kann vom Erinnerungscent bis zu einem höheren Restbuchwert aufgrund vorzeitigen Ausscheidens grundsätzlich jeder Betrag sein. Eine eventuelle Veräußerung ist gesondert als Einnahme zu buchen. Die Differenz zwischen Buchwert und Veräußerungswert wird als Veräußerungsgewinn oder –verlust bezeichnet.

Geringwertige Wirschaftsgüter §13 EStG

Güter die unter dem Anschaffungswert von 400 EUR netto liegen, werden geringwertige Wirtschaftsgüter, oder kurz GWG, genannt. Diese können sofort bei Bezahlung als Ausgabe in die EAR übernommen werden. Bei Unternehmen, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, gilt diese Grenze inklusive Umsatzsteuer.

  • Anschaffungs-/Herstellungskosten von abnutzbaren Anlagegütern bis € 400
  • Ausgenommen Wirtschaftsgüter, die zur entgeltlichen Überlassung bestimmt sind
  • Wirtschaftsgüter, die aus Teilen bestehen, sind als Einheit aufzufassen, wenn sie nach ihrem wirtschaftlichen Zweck oder nach der Verkehrsauffassung eine Einheit bilden (EStR Rz 3899).

Siehe auch